Mit Fantasygeschichten ist es immer so eine Sache. Entweder verfällt man ihrem Zauber oder aber man nimmt Abstand, kann sich nicht dafür begeistern. Ich denke, dass hier der erste Eindruck ganz entscheidend ist. Nur wer von Beginn an auf der Welle mitschwimmt, wird ihr langfristig folgen und kann sich ordentlich von ihr tragen lassen. Bei „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien wurde ich ganz persönlich von eben jener Welle mitgerissen, wollte alles über die Gestalten von und aus Mittelerde in Erfahrung bringen, holte mir sämtliche Zeitungsspecials mit Hintergrundinformationen, las das Mammutwerk und ging natürlich mehrfach ins Kino.
Morgen Abend ist es soweit und mit „Die Rache der Wanderhure“ kommt bereits die zweite Verfilmung der Roman-Reihe von Iny Lorentz über die Fernsehbilder gehuscht. Natürlich wird Marie auch dieses Mal von TV-Sternchen Alexandra Neldel gemimt, hat sie sich doch schon im ersten Teil „Die Wanderhure“ als durchaus sehenswert präsentiert. Auch in der zweiten Rolle, in der sie in die Kluft des Mittelalters schlüpft, kann sich Neldel bewehren und allein deshalb dürfen wir uns auf die Prime Time des Dienstagabends freuen. Ganz nebenbei liefert auch der Stoff von Autorenpaar Iny Lorentz genug Grund dafür.
Ein Mensch kann ein nach außen hin hervorragendes Leben führen, massenweise Luxuskarosserien fahren, Reihenhäuser in jedem Eckchen der Welt besitzen und die neuste Designermode tragen. Alles nur Statussymbole? Recht haben Sie, denn letztlich gibt es nur eines, was einen im Leben wirklich glücklich machen kann – die Familie. Diese zusammenzuhalten und stets ein enges Band zwischen den Mitgliedern zu schaffen, ist auch für Autorin Zeruya Shalev eine der, wenn nicht sogar, die wichtigste Aufgabe eines jeden Menschen. In ihrem aktuellen Werk „Für den Rest meines Lebens“ hat sie eine berührende Familiengeschichte aufgeschrieben.
Nun ist er nicht mehr Bundespräsident, die letzten Monate waren dann letztlich doch zu viel für den charismatischen Christian Wulff, der nun als der kürzeste Amtsinhaber aller Bundespräsidenten in die Geschichte eingeht. Nachdem mit Nobert Lammert bereits einer der aussichtsreichen Kandidaten abgesagt hat, rücken andere Namen in den Fokus – Joachim Gauck beispielsweise, der sich bereits binnen kürzester Zeit zum heißgehandelten Favoriten gemausert hat und es nun, so sind sich Koalition und Opposition einig, werden wird. Der gebürtige Rostocker, der mit mittlerweile 72 nicht mehr zu den Jüngsten gehört, hat sich auch schon schriftstellerisch etablieren können und mit „Winter im Sommer, Frühling im Herbst“ ein zumindest vom Titel her verwirrendes Werk geschaffen.
Ken Follett kennen wir ja nur zu vielfachen als einen Meister der historischen Geschichten. Einige von ihnen wurden in mehrteiligen Filmproduktionen auf den Bildschirm gebracht, andere, die denen in Sachen lesenswerte Qualität in nichts nachstehen, haben es noch nicht geschafft. Dabei liefern neben Monumentalwerken wie „Die Säulen der Erde“ auch Romane wie „Die Nadel“ vielversprechenden Historienstoff, der spannend gestaltet ist und zudem sehr anspruchsvolle Thematiken behandelt. Spielort des Geschehens ist nicht wie vielleicht bei Follett erwartet das Mittelalter, sondern der April 1944, also eine Zeit inmitten des wohl größten Übels der Weltgeschichte, dem 2.Weltkrieg.
Als im letzten Jahr bekannt wurde, dass mit dem Herrn Tranströmer ein Poet aus dem Heimatland des Nobelpreises die Trophäe für das beste literarische Werk erhält, rieb ich mir die Augen. Das soll keinesfalls an meiner geringen Wertschätzung für die Gedichte von Tomas Tranströmer festgemacht werden, es lag mehr an der Verwunderung, dass Don DeLillo wieder einmal leer ausging. Ebenso wie auch Haruki Murakami, der den Nobelpreis aus meiner Sicht längst verdient hätte, auch wenn er noch relativ jung ist. Seine Orwell-Adaption „1Q84“ ist Literaturgeschichte genug. Im Fall von DeLillo haben es mir besonders die Kennedy-Verschwörungsstory „Libra“ und sein monumentales Werk „Falling Man“ angetan, wobei letzteres das bisher beste Zeugnis der Folgen des 11.September darstellt.
Was würden wir wohl tun, wenn es in unserer Macht steht, die Geschehnisse exakt so hinzudrehen, dass wir am Ende unseres Lebens auf ein eben solche zurückblicken können, das keinerlei Negatives in sich trägt? Wie wäre es, wenn wir alles genau planen könnten, wie, wenn wir es uns vorher genau so ausmalen würden? Es wäre schrecklich, oder nicht? Ein Leben, in dem alles aus einem Plan besteht, der dann auch noch in Perfektion so ausgeführt wurde, ist kein Leben. Ihm fehlt das, was wir Würze nennen, die täglichen Überraschungen und Wendungen. Tony Webster, der Hauptprotagonist in „Vom Ende einer Geschichte“, erlebt im Werk jedoch mehr Wendungen als ihm lieb sind.
Gestern auf den Tag genau wäre Charles Dickens 200 Jahre alt geworden. An einem kalten Tag, von denen wir ja nun momentan wirklich viele erleben, kann nichts erholender wirken als sich mit einer Tasse warmen Tee, einer kuscheligen Decke und einem großen Literaturklassiker auf die hauseigene Couch zu legen und ein bisschen die Vergangenheit auf einen wirken zu lassen. Ich habe genau das getan und mir mit „Oliver Twist“ einen literarischen Nachmittag ermöglicht und gleichzeitig die Erinnerungen an jenen Mann gerichtet, der heute als einer der größten britischen Künstler angesehen werden darf.
Waren Sie heute schon einmal draußen? Nein? Na dann sollten Sie es, sofern es in ihrer Macht steht, auch dabei belassen. Es ist nämlich wie schon in den vergangenen Tagen richtig böse kalt, sibirische Kälte nennen das die Wetterberichte und in der Tat fühlt man sich als wäre man im Herzen Russlands. Während Nase, Mund und Finger längst eingefroren sind, wärmt das Herz den menschlichen Körper. Das tut es normalerweise, beim isländischen Autor Árni Thórarinsson ist das ein wenig anders. „Ein Herz so kalt“ mag auf den ersten Blick an die „Schneekönigin“ erinnern und definitiv beängstigen. Auf den zweiten wird deutlich, dass das exakt so sein soll.
Zunächst dachte ich, ich könne meinen Augen nicht mehr trauen. Dann jedoch kam die Erkenntnis, dass ich es wohl oder übel muss, auch wenn ich damit etwas eingestehe, was man nicht für möglich hält. Bei einem ägyptischen Erstliga-Fußballspiel sollte es um Punkte gehen und gewöhnlicher Weise tut es das auch. Wer mehr Tore schießt, gewinnt die Partie und bekommt ganz nach internationalem Standard drei Punkte für die Meisterschaft. Doch anscheinend reicht das vielen längst nicht mehr. In Port Said mussten nach der Partie gegen Topmannschaft Al Ahli über 70 Menschen ihr Leben lassen, eine vierstellige Zahl wurde verletzt. So ein Horrorszenario schien immer so fern, doch seit diesem Ereignis wirken Werke wie „The Football Factory“ längst nicht mehr so entfernt.