Ganz sicher kommt es nicht von ungefähr, dass die große Anzahl der besten Thriller seit ein paar Jahren von Autoren aus dem Norden unseres Kontinents geschrieben werden. Der Norweger Tom Egeland macht hierbei keine Ausnahme. So schafft es auch sein Thriller „Das Luzifer Evangelium“ den Leser zu begeistern, ihm ein wenig Angst einzujagen und ihn auf jeden Fall an das Werk zu fesseln. Wenngleich die christliche Geschichte den Namen ein wenig anders konnotiert, ist der Erzengel Luzifer heute eines der am häufigsten verwendeten Synonyme für den wahrhaftigen Teufel, der Titel verspricht also bereits einiges.
Genau genommen gibt es nichts Schrecklicheres als die Realität. Nichts ist grausamer, keine noch so gut ausgedachte Fiktion. Beinahe täglich erfahren wir von Morden, Körperverletzungen und kranken Ideen, die irgendwo langsam zu wachsen beginnen. Während im Film alle Täter relativ schnell überführt werden und eigentlich niemand nach einem Verbrechen ungestraft davonkommt, dauert es in der realen Welt häufig viel länger, bis ein Mord wirklich aufgeklärt werden kann. Dafür bedarf es vieler Mechanismen, die ausgehend von den unterschiedlichsten Kriminalbehörden miteinander verbunden werden müssen. Mark Benecke, seinerseits Kriminalbiologe, erzählt uns etwas von seinem Anteil und gibt in „Mordspuren“ einen Einblick in seine tägliche Arbeit, die Verbrechen in unserer Welt.
Wenn man Ferdinand von Schirach einmal gelesen hat, weiß man, dass „Schuld“ immer eine sehr breit zu definierende Sache ist. Natürlich ist jemand nach dem Gesetz schuldig, wenn er nach dem Gesetz ein Verbrechen begeht. Voraussetzung dafür ist aber, dass man ihm dieses Verbrechen auch nachweisen kann. von Schirach ist ein eindrucksvoller Autor, eben weil er nichts beschönigt und es bei vielen Fällen am Ende noch einmal schafft, den Leser zu verwundern. Wenn man den Abschluss vieler Geschichten des Strafverteidigers so im Raum stehen lässt, erkennt man die großen Lücken unseres Rechtssystems, aber eben auch seine Vorteile.
Sizilien ist eine Region, die ohne Frage über ganz besondere Eigenarten verfügt. Eines dieser sonderbaren Stücke, von denen man in der Welt nach Vergleichbarem sucht, ist die Welt der Mafia, eine der mächtigsten Organisationen der Welt. Die Mafia unterwandert Regierungen, sie kontrollierte Teile der Wirtschaft und bleibt doch immer das, was ihr Ursprung ist – eine große Familie. Mein erstes kulturelles Treffen mit der Mafia lieferte Hollywood mit Marlon Brando, der in „Der Pate“ die Rolle des großen Don Vito Corleone einnahm. Basierend auf der Geschichte von Autor Mario Puzo war es zudem mein erstes Treffen mit Al Pacino. Puzo selbst hat weitere Werke zur Thematik geschrieben, unter anderem auch „Der letzte Pate“.
Mittlerweile habe ich Werke gelesen, die von Profilern geschrieben wurden, welche von Anwälten und Forensikern. Bei jeder dieser Leseerfahrungen habe ich etwas Neues dazugelernt, neue Einblicke in die Schrecklichkeit unser wirklichen Welt erlangen können. Wir lesen Thriller, die der Fiktion ihrer Autoren und Autorinnen entspringen und auch ich greife immer wieder dazu, da viele von ihnen wirklich spannend sind. Außerdem vertrete ich die Meinung, dass diese Fiktionen nicht entstehen könnten, wenn es nicht so viele dunkle Gedanken in so vielen Menschen der realen Welt geben würde. Nichtsdestotrotz sind auch die Werke, in denen Menschen, die direkt mit der Kriminalität zu tun haben, ihre Würdigung wert, auch wenn sie wie Richter Robert Glinski nur das nacherzählen, was sie selbst erlebt haben.
Na, wie wäre es einmal mit einem kurzen Pausensnack? Keinen Hunger? Na dann vielleicht mal ein eBook, das sich flüssig herunterliest, nicht nur, weil es in einem gut verträglichen Stil geschrieben ist, sondern auch, weil es anders als die anderen Varianten des Genres schnell zu einem Abschluss kommt? Irgendwie scheint die Gesellschaft mit ihrem Leseverhalten ganz akut auf die aktuellen Neuerscheinungen Einfluss genommen zu haben. Ganz nach dem Motto „Mensch macht Geschichte“ macht Mensch nun auch Geschichten. Vor allem scheint der Mensch zunehmend Mitsprachrecht auf die Länge des Lesestücks zu bekommen. So sind im eBook „Kleine Morde für Zwischendurch Bd.1“ gleich drei Geschichten in ein Werk gepackt.
Man sagt ja immer, dass Frauen eher auf zartbesaitete Literatur und Männer auf Geschichten rund um Mord und Totschlag abfahren. In großen Teilen der Realität würde ich für diese Hypothese Partei ergreifen und könnte dafür auch zahlreiche Beispiele geben. Ausnahmen jedoch bestätigen diese Regel, denn Susanne Mischke schreibt für Frauen, allein schon, weil ihre Hauptprotagonisten in den kleinen Mordgeschichten allesamt ihrem Geschlecht angehören. Von zarter Besaitung darf aber bei „Mordsweiber No.1“ keinesfalls gesprochen werden, denn in den drei dort enthaltenen Kurzgeschichten geht es teilweise sehr rabiat und folgenschwer zu.
Es lässt sich definitiv nicht leugnen, dass innerhalb des letzten Jahrzehnts zahlreiche gute und qualitativ lesenswerte skandinavische Krimiautoren ihre Zeilen über den Globus verteilt haben. Von Larsson bis Mankell ist jeder einen Blick in die Geschichten wert, ebenso Jussi Adler-Olsen aus unserem dänischen Nachbarstaat. Sein Titelheld Carl Mørck ist mir durchaus schon einmal unter die Augen gekommen, nachdem ich mir mal auf dem neuen eBook-Reader einer Verwandten die bereits vorinstallierten Leseausschnitte durchzappte, erinnerte ich mich an ihn zurück. Dort nämlich gab es einen zwanzig seitigen Einblick in „Erlösung“, den dritten und bisher letzten Fall für den Mann vom Sonderdezernat Q.
Ist es nicht verwunderlich, dass wir Künstler jeglicher Art immer als sonderbar darstellen? Ich bin da ganz ehrlich, die meisten großen Maler verstehe ich nicht, weder ihre Bilder, noch was genau sie damit ausdrücken möchten. Ohnehin ist Kunst selten ein Abbild der Wirklichkeit, sie ist Fiktion und aus meiner Sicht entfaltet sie ihr wahres Wirken erst mit dem Austausch zu seinem Betrachter. Gut, genau genommen trifft auf Literatur exakt das Gleiche zu, wenngleich ich hier behaupten möchte, dass ich davon ein wenig verstehe. Vermischen wir doch einfach beide Arten des Schaffens, schließlich ist ja auch Literatur eine Kunst, auch wenn es nicht um Malerei geht. „Der Todeskünstler“ von Cody McFadyen beispielsweise ist ein schriftstellerisches Kunstwerk über einen Mörder, der mit Blut malt.
Schaurig sind die meisten von ihnen, unverständlich die Taten, ebenso unerklärlich, wie lange das Grauen verborgen geblieben ist. Morde und Verbrechen jeglicher Art sind längst zum festen Bestandteil unserer Medienwelt geworden. Mindestens jeder Dritte greift bei der Lesestoffwahl zu einem Thriller, die Fernsehabende sind gepickt von CSI, Monk, Alarm für Cobra11 oder, um beim Klassiker zu bleiben, mit einem Tatort. Dabei braucht es bei den grausamsten Verbrechen gar keine Fantasie, wie Autor Mark Benecke ebenso wie Rechtsmediziner Tsokos, Jurist von Schirach oder Gleichgesinnte es bereits mehrfach in ihren Werken bewiesen haben. Das wahre Grauen ist Sinnbild der Realität, in der wir leben – „Mordmethoden“ mein heutiger Beweis.