Ganz sicher kommt es nicht von ungefähr, dass die große Anzahl der besten Thriller seit ein paar Jahren von Autoren aus dem Norden unseres Kontinents geschrieben werden. Der Norweger Tom Egeland macht hierbei keine Ausnahme. So schafft es auch sein Thriller „Das Luzifer Evangelium“ den Leser zu begeistern, ihm ein wenig Angst einzujagen und ihn auf jeden Fall an das Werk zu fesseln. Wenngleich die christliche Geschichte den Namen ein wenig anders konnotiert, ist der Erzengel Luzifer heute eines der am häufigsten verwendeten Synonyme für den wahrhaftigen Teufel, der Titel verspricht also bereits einiges.
Luca di Fulvio schwimmt derzeit auf einer wahren Erfolgswelle, sein Roman „Der Junge, der Träume schenkte“ hat den Sprung auf die Bestsellerlisten im Nu geschafft, binnen kürzester Zeit war er dort ganz oben anzusiedeln. So beeindruckend ich die Geschichte auch finde und so viel Eindruck sie auch bei allen anderen hinterlässt, sein vorheriges Werk „Inkubus“ steht in Sachen Unterhaltungswert dem aktuelleren in nichts nach, schon gar nicht in Bezug auf die enthaltene Vielschichtigkeit. Italiens derzeitige Literaturikone Nummer Eins inszenierte ein facettenreiches Konstrukt aus pädophilen Gedanken, ehrgeizigen Polizisten und Psychopathen, die zu unglaublichen Gräueltaten fähig scheinen.
Ein Justizsystem muss so aufgebaut sein, dass es gerecht ist. Es muss all jene schützen, die es befolgen und all jene bestrafen, die es nicht tun. Vor allem die Taten gegen die Gesundheit oder das Leben der anderen Menschen sollten in diesem System mit hohen Strafen belegt sein. Schließlich sind alle Menschen gleichgestellt. Damit wir solche Taten nicht zu Unrecht bestrafen ist ein Täter erst dann ein Täter, wenn wirklich einhundertprozentig bewiesen ist, dass er die Tat begangen hat. Im Fall von Nicole Dill gab es einen bereits verurteilten Täter. Diesen hielt man aber nicht vor weitere Taten ab und lieferte so den Zündstoff für ihr Werk „Leben! Wie ich ermordet wurde“.
Die grausamsten Verbrechen passieren meist in Kleinstädten. Hier, wo eigentlich jeder jeden kennt, bleiben die übelsten Szenarien über Monate, manchmal gar Jahre unentdeckt. Die Täter hatte man über all die Zeit, die sie hier wohnen, als recht gute Menschen eingeschätzt, Menschen, über die man nichts Schlechtes sagen kann. „Niceville“ ist so ein Ort, eine verschlafene Kleinstadt im Süden der USA, die auch nach Jahren noch fest in den Händen seiner Gründerväter ist. Alles beginnt mit dem Verschwinden von Rainey Teague, einem der Nachfahren dieser Gründerväter. Er wird erst zehn Tage später in einer alten Familiengruft wiedergefunden und fällt daraufhin ins Koma, beide Elternteile scheiden freiwillig aus ihrem Leben.
Wenn man Ferdinand von Schirach einmal gelesen hat, weiß man, dass „Schuld“ immer eine sehr breit zu definierende Sache ist. Natürlich ist jemand nach dem Gesetz schuldig, wenn er nach dem Gesetz ein Verbrechen begeht. Voraussetzung dafür ist aber, dass man ihm dieses Verbrechen auch nachweisen kann. von Schirach ist ein eindrucksvoller Autor, eben weil er nichts beschönigt und es bei vielen Fällen am Ende noch einmal schafft, den Leser zu verwundern. Wenn man den Abschluss vieler Geschichten des Strafverteidigers so im Raum stehen lässt, erkennt man die großen Lücken unseres Rechtssystems, aber eben auch seine Vorteile.
Waren Sie heute schon einmal draußen? Nein? Na dann sollten Sie es, sofern es in ihrer Macht steht, auch dabei belassen. Es ist nämlich wie schon in den vergangenen Tagen richtig böse kalt, sibirische Kälte nennen das die Wetterberichte und in der Tat fühlt man sich als wäre man im Herzen Russlands. Während Nase, Mund und Finger längst eingefroren sind, wärmt das Herz den menschlichen Körper. Das tut es normalerweise, beim isländischen Autor Árni Thórarinsson ist das ein wenig anders. „Ein Herz so kalt“ mag auf den ersten Blick an die „Schneekönigin“ erinnern und definitiv beängstigen. Auf den zweiten wird deutlich, dass das exakt so sein soll.
Schauen Sie das Dschungelcamp, das derzeit täglich über den Fernsehbildschirm flackert? Ich tue es aus genau einem Grund. So verschrien die Sendung auch ist, sie ist vor allem eines – unterhaltsam. Ob es die Hollywoodstories von Miss Nielsen sind oder die grammatikalischen Kenntnisse eines ehemaligen Bundesligatorjägers. Wir dürfen ihnen bei ihrem täglichen Kampf gegen die Gefahren des Dschungels und die Gefahren innerhalb der Gruppe zusehen. Wie hart dieser Ausnahmezustand wirklich sein kann, hat Sabine Kuegler schon vor Jahren in ihrem Werk „Dschungelkind“ für die Nachwelt aufgeschrieben. Sie hat nichts mit den D-Promis des Camps zu tun. Nein, ihre Geschichte ist keine 14-tägige Episode, es ist die Geschichte ihres Lebens.
Na, wie wäre es einmal mit einem kurzen Pausensnack? Keinen Hunger? Na dann vielleicht mal ein eBook, das sich flüssig herunterliest, nicht nur, weil es in einem gut verträglichen Stil geschrieben ist, sondern auch, weil es anders als die anderen Varianten des Genres schnell zu einem Abschluss kommt? Irgendwie scheint die Gesellschaft mit ihrem Leseverhalten ganz akut auf die aktuellen Neuerscheinungen Einfluss genommen zu haben. Ganz nach dem Motto „Mensch macht Geschichte“ macht Mensch nun auch Geschichten. Vor allem scheint der Mensch zunehmend Mitsprachrecht auf die Länge des Lesestücks zu bekommen. So sind im eBook „Kleine Morde für Zwischendurch Bd.1“ gleich drei Geschichten in ein Werk gepackt.
Man sagt ja immer, dass Frauen eher auf zartbesaitete Literatur und Männer auf Geschichten rund um Mord und Totschlag abfahren. In großen Teilen der Realität würde ich für diese Hypothese Partei ergreifen und könnte dafür auch zahlreiche Beispiele geben. Ausnahmen jedoch bestätigen diese Regel, denn Susanne Mischke schreibt für Frauen, allein schon, weil ihre Hauptprotagonisten in den kleinen Mordgeschichten allesamt ihrem Geschlecht angehören. Von zarter Besaitung darf aber bei „Mordsweiber No.1“ keinesfalls gesprochen werden, denn in den drei dort enthaltenen Kurzgeschichten geht es teilweise sehr rabiat und folgenschwer zu.
Ist es nicht verwunderlich, dass wir Künstler jeglicher Art immer als sonderbar darstellen? Ich bin da ganz ehrlich, die meisten großen Maler verstehe ich nicht, weder ihre Bilder, noch was genau sie damit ausdrücken möchten. Ohnehin ist Kunst selten ein Abbild der Wirklichkeit, sie ist Fiktion und aus meiner Sicht entfaltet sie ihr wahres Wirken erst mit dem Austausch zu seinem Betrachter. Gut, genau genommen trifft auf Literatur exakt das Gleiche zu, wenngleich ich hier behaupten möchte, dass ich davon ein wenig verstehe. Vermischen wir doch einfach beide Arten des Schaffens, schließlich ist ja auch Literatur eine Kunst, auch wenn es nicht um Malerei geht. „Der Todeskünstler“ von Cody McFadyen beispielsweise ist ein schriftstellerisches Kunstwerk über einen Mörder, der mit Blut malt.