Genau genommen gibt es nichts Schrecklicheres als die Realität. Nichts ist grausamer, keine noch so gut ausgedachte Fiktion. Beinahe täglich erfahren wir von Morden, Körperverletzungen und kranken Ideen, die irgendwo langsam zu wachsen beginnen. Während im Film alle Täter relativ schnell überführt werden und eigentlich niemand nach einem Verbrechen ungestraft davonkommt, dauert es in der realen Welt häufig viel länger, bis ein Mord wirklich aufgeklärt werden kann. Dafür bedarf es vieler Mechanismen, die ausgehend von den unterschiedlichsten Kriminalbehörden miteinander verbunden werden müssen. Mark Benecke, seinerseits Kriminalbiologe, erzählt uns etwas von seinem Anteil und gibt in „Mordspuren“ einen Einblick in seine tägliche Arbeit, die Verbrechen in unserer Welt.
Wenn man Ferdinand von Schirach einmal gelesen hat, weiß man, dass „Schuld“ immer eine sehr breit zu definierende Sache ist. Natürlich ist jemand nach dem Gesetz schuldig, wenn er nach dem Gesetz ein Verbrechen begeht. Voraussetzung dafür ist aber, dass man ihm dieses Verbrechen auch nachweisen kann. von Schirach ist ein eindrucksvoller Autor, eben weil er nichts beschönigt und es bei vielen Fällen am Ende noch einmal schafft, den Leser zu verwundern. Wenn man den Abschluss vieler Geschichten des Strafverteidigers so im Raum stehen lässt, erkennt man die großen Lücken unseres Rechtssystems, aber eben auch seine Vorteile.
Es lässt sich definitiv nicht leugnen, dass innerhalb des letzten Jahrzehnts zahlreiche gute und qualitativ lesenswerte skandinavische Krimiautoren ihre Zeilen über den Globus verteilt haben. Von Larsson bis Mankell ist jeder einen Blick in die Geschichten wert, ebenso Jussi Adler-Olsen aus unserem dänischen Nachbarstaat. Sein Titelheld Carl Mørck ist mir durchaus schon einmal unter die Augen gekommen, nachdem ich mir mal auf dem neuen eBook-Reader einer Verwandten die bereits vorinstallierten Leseausschnitte durchzappte, erinnerte ich mich an ihn zurück. Dort nämlich gab es einen zwanzig seitigen Einblick in „Erlösung“, den dritten und bisher letzten Fall für den Mann vom Sonderdezernat Q.
Es gibt Orte, die lassen nicht einmal den Ansatz zu, man könnte glauben, dass sich an diesem Ort irgendwann mal etwas Schlimmes ereignet, etwas, das wider das Naturrecht oder gegen unsere Normvorstellungen verstößt. Natürlich passieren in Großstädten viele Verbrechen, der Saatboden für Kriminalität liegt in den vielen dunklen Gassen und dunklen Ecken. Diese bieten Schutz für zahlreiche Erscheinungen der menschlichen Abgründe. Doch wie ist das auf dem Land, in jenen Regionen, wo jeder jeden kennt und wo man nicht mal so eben in einer Straßengasse ein Verbrechen verüben kann? Wenngleich die ländliche Idylle kaum Platz für etwas Schreckliches zu bieten scheint, passieren mehrere Verbrechen fernab jeglicher Kenntnis der Nachbarn.
Beinahe jeden Tag werden wir in den Nachrichten über neue Verbrechen unterrichtet. Ob es Massenmorde in einer Schule sind, Familiendramen in doch so normalen Haushalten, Rachemorden oder Tötungen auf dem Motiv Habgier. Morde passieren und sie scheinen ebenso zu unserer Gesellschaft zu gehören wie unser tägliches Brot.